Der letzte Bergwinter hat es wieder einmal bewiesen: Kommen Lifte, kommen Leute.

Ganze Konzerne beugen sich dem Diktat der Massen und vergessen Naturschönheit und Umweltschutz.

Waren früher in den Bergen nur Rucksack und Bundhose zugelassen, so kann man heute mit Fug und Recht behaupten, daß modebewußte Trickskispezialisten die gut präparierten Berghänge erobert haben.

Das wird für die kommenden Winter folgenschwer sein. Man darf erwarten, daß in Zukunft eine intensive Überwachung der Verkehrsregeln im internationalen Pistenwettkampf gewährleistet sein wird. Bildschirme in Rechenzentren, statistische Unfallauswertung, Berichterstattung per Hubschrauber sowie der ständig aus dem früher unberührten Almboden schießenden Gaststätten werden zu den Mindestanforderungen gehören.

Auch der tägliche Lebensrhythmus wird auf die Sportleidenschaft der mechanisch nach oben zu transportierenden Hochtouristen abgestimmt sein. Wichtige berufliche Unternehmungen sollten nie während des sich stündlich wiederholenden Lawinenwarndienstes der Postenservicewelle Bayern 4 stattfinden. Außerdem bieten sich Pausezeiten geradezu ideal an für muskelentspannende Gymnastik. Zu vermeiden ist hierbei natürlich Transpiration und Erhöhung des Pulsschlages, weil dies einfach nicht in die Struktur und Stimmung der Bergerholung passt.

Sollten wir auf diese Weise nicht mehr und mehr in den Genuß des Bergerlebnisses kommen, so wirkt sich das natürlich auf die alpine Konsumgesellschaft aus. Deshalb sollte der Ruf nach mehr Farben auf den Pisten, mehr Liften in unberührter Bergeinsamkeit, mehr Verkehrszeichen auf dem Skigelände keine unberechtigte Forderung sein.

Ich plädiere also für die absolute Ausrottung jener noch vereinzelt auftretenden, mit Bundhose und Rucksack bewaffneten, fellesteigenden Individualisten, die dem heutigen Zeitmaß: „schneller, teurer, bequemer“, in keiner Weise entsprechen.

 

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